Alle Artikel von ‘November 2003’

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Scharf und gehaltvoll

Ich mag scharfes Essen absolut nicht, ja ich hasse es und kann auch absolut nicht mit Gewürzen umgehen. Außerdem sind die einzigen Gewürze für mich Salz und Zucker, na gut vielleicht noch sauer. Aber das wars auch schon. Ich meide so ziemlich alle scharfen Gerichte. Und das ist auch gut so: So ist mir wenigstens ein besonderes Getränk entgangen, dass am Wochenende auf der Willkommenparty für Ralf und Frank angeboten wurde. Sein Name verriet schon sehr viel: „Lagrimas Mexicana“, mexikanische Tränen. Jeder, der auch nur einen kleinen Schluck genommen hatte, musste daraufhin Weißbrot in sich hineinstopfen oder rannte gleich heulend aus dem Raum. Dabei war es nichts anderes als Wodka mit etwas Habaneros (extrem scharfen Chilis) angereichert. Selbst nach mehrfacher Verdünnung hatten die Opfer immer noch Angst Feuerzeugen zu nah zu kommen. Leider sind von den 2 Litern immer noch genügend übrig, um die Leute bis zum nächsten Sommer zu verwöhnen.
Habanero - Chili, Schärfe 150%

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Warum eigentlich

Ich stehe jetzt vor einem fast fertigen und perfekten System, das meinen Vorstellungen beinahe genau entspricht. Aber warum hat das, verdammt nochmal, so lange gedauert? Nicht dass ich mir keine Gedanken gemacht hätte, aber ehe ich endlich die eingebende Idee hatte, musste schon eine Menge Zeit vergehen. Wenn man einmal Fuß gefasst hat, geht alles ziemlich schnell. Naja, was solls. Ich weiß jetzt einiges besser als vorher und werde es auch hoffentlich nutzen.

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Ein Buch

Heute ist mir in der Uni auch etwas komisches passiert.

Ich habe mich zur Mittagszeit in die Cafeterie im UHG gegeben. Obwohl es Freitag war, waren fast alle Tische besetzt. Also setzte ich mich mit meinem Tablett an einen mäßig vollen Tisch und lauschte so dem Gespräch der Anwesenden. Einige davon saßen in der Vorlesung vom Nachmittag und sprachen über Dozent und Stoff der Veranstaltung. Artikulatorische Organe und ihre „hygienische“ Benutzung.

Nach einiger Zeit waren sie so tief ins Thema vorgedrungen, dass der Professor seine Freude an ihren Aussagen gehabt hätte. Ein Student hatte schon die Bibliothek besucht, um den Stoff zu recherchieren, und erzählte von seinen Erlebnissen. Kalter Kaffee, dachte ich, was soll man in der Bibo schon finden? Schließlich habe ich zuhause auch Internet. Und außerdem habe ich da einen Stuhl.

Doch dann wurde es interessant. Er erwähnte ein Buch, das ihm bei der Suche geholfen hatte. Komischer Typ, schoss es mir beim Kauen durch den Kopf. Der Arme muss auch noch ein Handbuch wälzen, wenn er die langsamen Rechner der Uni benutzen muss. Dabei ist das doch so einfach: Login, Explorer-Fenster auf und Google angestrengt. Der spuckt die wichtigen Infos sofort aus. Außerdem war mir nicht bekannt, dass neben den Workstations auch die nötigen (eigentlich unnötigen) Handbücher stünden.

Als er jedoch beim Kapitel „Fehlermeldungen“ – der Rechner benutzte sicher Windows NT 4.0 – angekommen war, horchte ich auf. Schließlich hatte ich das Buch schon gelesen, als ich gerade mal flüssig „Kompatibilitätsmodus“ tippen konnte. Aber die erwähnten Meldungen kamen mir nicht bekannt vor. Wohl doch eher ME, überlegte ich. Ich schnappte zwischen genüsslichen Schmatzgeräuschen das Wort „Stottern“ auf. Komisch, welcher PC stottert denn? Der Arme meint sicher, Ruckeln der Maus oder das System hängt sich auf. Keine Ahnung, so ein DAU. Und Spracherkennungssoftware werden die doch wohl kaum installiert haben – in einer Bibliothek muss man schließlich leise sein.

Aber es wurde noch schlimmer: Eine interessierte Zuhörerin wollte eine Kopie der wichtigen Passagen des Buches. Noch so ein DAU, dachte ich. Gibt es denn keine Menschen, die ganz normal sind und einen Rechner benutzen können??? Bei diesem Gedanken verschluckte ich mich fast und zog so alle Blicke auf mich. Und unser Schlaumeier sprach fragte mich: „Und, Nadja, was ist mit dir. Hast du das Buch auch gelesen?“

„Na klar“, sprudelte es aus mir hervor, „als ich vielleicht 12 war. Das kennt doch jedes Kind. Aber welches OS benutzen die denn in der Bibo?“

Der Gute schaute mich mit verständnislosem Blick an: „Ähm, willste jetzt die Signatur wissen?“ Also ist er doch nicht so dumm, wie er tat, hatte er immerhin ein elektronisches Handbuch benutzt.

„Nee, das OS, NT oder was?“ fragte ich zurück.

Das erntete nur Glotzen und die Frage: „Wie du hast es schon gelesen, das ist echt ein Schinken von Buch. Dann kannste uns ja mehr vom Stottern erzählen.“ Nicht schon wieder!

„Wieso Stottern? Das steht da gar nicht drin, du Dummerchen. Und wenn dann heißt das wenigstens Ruckeln. Ist es die Maus oder der Monitor?“

Wieder nur Glotzen. „Ähm, ich mein das Buch ganz hinten links im vorletzten Regal von A. Schneebacher.“ Also doch ein gedrucktes Handbuch, aber wer ist Schneebacher?

„Was denn fürn Regal?“ fragte ich.

„Na, wozu ist denn die Bibo da?“ Alle anderen lächelten mir ein wenig zu, sicher trauten sie sich nicht, laut loszulachen.

„Mann, was bist du denn für einer. Ich hab zuhause Internet und ein Handbuch brauch ich auch nicht! Ist doch nur was für Kinder oder vielleicht meinen Opa.“ Ich schnappte mein Tablett und verließ die Cafeteria. Zur Vorlesung bin ich auch nicht gegangen. Solche Dummköpfe, die meinen sie könnten mir was über PCs erzählen, brauch ich nicht. Den Stoff für die Vorlesung besorg ich mir halt als PDF bei Prof. Dr. Google. Sollen die sich doch die Beine in den Bauch stehen, wenn sie mit ihren verkümmerten Tippfingern an den Terminals in der Bibo stehen.

Aber eines ist mir immer noch nicht klar: Stehen auf allen Etagen des Bibliotheksgebäudes diese komischen Rechner ohne Stühle oder was? Die müssen doch ’n Knall haben, schließlich weiß jedes Kind, dass das Haltungsschäden hervorruft! Nochmal gehe ich da jedenfalls nicht hin!