Ich, der Krückstock

16. Januar 2006 um 23:41 kruxi

Nein, das Hochbett unserer Tochter ist nicht bequem, nicht für mich.
Wenn man sich gegen halb 6 nach herzzereißendem Weinem zum Kind legt und meint “Ich steh eh gleich auf”, dann hat man sich gewaltig geirrt: Es war mangels einer Decke kalt und mangels einer Matratze über 1m sehr hart. Doch die Augen sind weit entfernt vom Schmerzzentrum, kennen keinen Wecker und so schläft man in gekrümmter Haltung neben dem schnarchenden Racker, der 5 Minuten später die Katze ärgert (“Mama, Charlie ist vom Bett gefallen.”) oder gar dümmeren Frühsport im Sinne hat.

Ich will meinem Kind keineswegs Böswilligkeit unterstellen, schließlich schlafe ich nie allein (obwohl, ich muss mein Zimmer teilen…), aber ein wenig Nachsicht wünschte ich mir schon. Die Antwort meines Körpers auf meine sozialen Stunden bekam ich heute nach dem Frühstück zu spüren: Es fühlte sich an, als hätte sich eine Gartenkralle in meinen Rücken gebohrt.
Zu Anfangs merkte ich noch nichts, aber als ich mich an meinen Schreibtisch setzen wollte, weigerte sich mein Körper heftig gegen jegliche Beugung. Ich fühlte mich in meine (fortgeschrittene) Schwangerschaft versetzt, als Zustandsveränderungen keineswegs zu meinem Beschäftigungsfeld gehörten. Irgenwie saß ich dann doch und das Dilemma nahm seinen Lauf. Wie gern hätte ich einen Kaffee getrunken, doch der stand in unerreichbarer Ferne auf dem Esstisch.

Zurückgelehnt in meinem Stuhl (weiter hatte ich mich noch nicht vorgewagt) durchstöberte ich Mails und meine morgendlichen Feeds, na gut, vielleicht noch einmal den Posteingang checken, und wo wir gerade dabei sind auch die Feed und die Mails. Nach einer endlos erscheinenden Weile (eine Stunde?, ich weiß es nicht) hatte ich es irgendwie geschafft mich schmerzfrei nach vorn zu beugen und wirklich Wichtiges zu tun. Da war doch noch was: Ach ja, Kaffee. leider war Aufstehen immer noch nicht möglich, doch wozu haben Bürostühle Rollen?
Ich fühlte die Gartenkralle bei jeder Bewegung, aber der Ehrgeiz ließ nicht locker und ich machte bei jeder notwendigen Bewegung eine physiotherapeutische obendrein. Dehnen, Strecken, Beugen, Au! Ein gemütlicher Spaziergang zum Kindergarten am Nachmittag half zum Glück ein wenig, die Verkrampfungen loszuwerden.

Und was lernt man aus solchen Tagen? Sich nicht auf Betten zu legen, die keine sind.

Und wie lange hält man solche Schreckenserlebnisse im Gedächtnis? “Gute Nacht, mein Schatz. Ja, ich bleib noch ein wenig neben dir liegen. Aber nur bis du eingeschlafen bist.” Autsch.

Immerhin habe ich gelernt, etwas aufzuheben, ohne den Rücken zu beugen.

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