01. August 2007 um 11:33 kruxi
Erstaunlich, dass man schon vor 90 Jahren so dachte wie heute. Dieses Gedicht von 1916 spiegelt doch sehr die modernen Ansichten wider:
Stillen 1916
von Elisabeth Behrend aus Hannover,
aus dem Buch „Säuglingspflege in Reim und Bild“ von 1916Wie sorgt der liebe Gott so treu,
für jedes Kindlein, das er neu
der Mutter gibt. Zu gleicher Zeit
macht er die Nahrung ihm bereit.
Die Einzige, die schon sein Magen,
sein kleiner Körper kann vertragen,
die alles was er braucht enthält.
Wie aber geht es auf der Welt?
Der Einen ist´s nicht angenehm,
sie findet Flaschen so bequem –
die Andere bildet sich gar ein,
es könnte keine Milch da sei –
und manche Überschlaue meint,
sie wüßt es besser, ihr erscheint,
die Milch zu dünn, zu gelb, zu blau,
als müsste sie erst ganz genau,
den lieben Gott einmal belehren,
wie er die Kindlein müsst ernähren.
Was ist die Folge? Not, Verderben!
Zahllose Flaschenkinder sterben,
und Ungezählte noch erkranken.
Ist das dem Zufall nur zu danken?
Nein! Tiermilch ist stets wohlbedacht,
genau fürs junge Tier gemacht.
Die Kuhmilch für den Kälbermagen,
wie soll ein Kind sie da vertragen?
Paßt wohl zu unserem Kind die Kuh?
So wenig passt die Milch dazu;
sie strengt den Darm den Körper an –
manch Kind ging schon zugrunde dran.
Drum Mütter, ernstlich seid gebeten:
Laßt Euch nicht durch die Kuh vertreten!
Seht, keinem Tier kommst in den Sinn,
sich seinen Jungen zu entziehn.
Soll denn das Menschenkind allein,
um so ein Recht betrogen sein?
Nein, echte Liebe drückt sich nicht,
um diese ernste heil´ge Pflicht.
Wie aber fange ich es an,
wenn ich mein Kind nicht stillen kann?
Nicht kann? Oft hört man´s weit und breit,
doch gibt’s das kaum in Wirklichkeit!
Habt doch Vertraun in diesen Sachen,
Ihr dürft nur keine Fehler machen,
die werden leider unbedacht,
unwissend tausendfach gemacht!
Bei mancher Frau wärs gut gegangen,
hätt sie ´s nur richtig angefangen.
Eh euer Kind erschein beizeiten,
müsst ihr die Brüste vorbereiten:
Kalt waschen, Luftbad, Sonnenschein,
wird ihrer Haut sehr nützlich sein.
Zu kleine Warzen könnt ihr fassen
und sanft emporziehn. Wegzulassen
ist alle Enge, kein Korsett,
das die Entwicklung hemmen tät´.
Und ist Besonderes zu fragen,
müsst ihr´s dem Arzt beizeiten sagen.Und habt ihr Euer Kindchen dann,
so legt es fünf- bis sechsmal an:
Je eine Seite, 10 Minuten,
bis höchstens 20. Mehr des Guten
ist schädlich. Trinkt´s ´ne halbe Stund,
saugt es nur die Warze wund,
wird faul verwöhnt und quält euch sehr,
und trinkt im Ganzen doch nicht mehr.
Und darfs nicht nur die Warze fassen,
ihr müßts den Hof mitnehmen lassen,
sonst wird das Saugen sehr erschwert,
die Brust leicht wund und schlecht entleert.
Nachts lasst dem kleinen Magen Ruh,
er kann und darf nicht immerzu
arbeiten. Ihr könnt´s auch nicht tun.
Nachts müssen Kind und Mutter ruhn!
Die Brust braucht strengste Sauberkeit.
Es soll sie in der Zwischenzeit,
ein reines weiches Tuch beschützen.
Ein Leibchen kann sie unterstützen;
doch schnürt sie weder hoch noch fest,
weil das die Milch versiegen lässt.Quelle: http://www.rabeneltern.org/stillen/diesunddas/stillen1916.shtml
Obwohl, am Ende sind auch hier einige Irrtümer vertreten.
Gespeichert unter: Allgemein


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